Guten Morgen Cyborg
Liegst du immer noch hier
Wie ein Cyborg
Was erwartest du von mir
Ich bin kein Cyborg
Ich bin nicht halb so stark wie du
Verzeihung, Cyborg
Ich gehöre nicht dazu.
Ganze Bände könnte ich füllen mit dem, was mir durch den Kopf ging, nachdem ich deutlich weniger Weitsicht erkennen ließ als all jene Freunde und Bekannten, die vorsorglich beschäftigt, krank oder nicht in der Stadt waren bzw. nach einer Stippvisite im Mariannenkiez die Verabredung für den Abend kurzfristig absagten.
Es lässt sich jedoch letztlich auf die eine Erkenntnis reduzieren. Wenn ich heute mit seitengescheitelter Schleimfrisur im - wenngleich kostengünstig zusammengestückelten so doch nicht uneleganten - schwarzen Anzug zwischen südländischen Prollkindern und allerelei verfilztem Punker- bis Hippiegesockse umherlaufend nur mit Mühe meine Verachtung für die mich Umgebenden verbergen kann, mir eben jene Mühe bald schon nicht mehr gebe und mit vor Ekel verzerrtem Gesicht das Treiben des Pöbels beobachte, so kann es sein, dass fernab von aller lumpenbohèmischen ironischen Distanz und selbstgerechter linker Misanthropie dies vor allem eins bedeutet:
Meine Mutter hat Recht - Ich werde erwachsen! Und da die einzige Alternative - namentlich das Ende als hochverschuldetes Drogenopfer - bereits bei nur oberflächlicher Betrachtung nun wirklich nicht in Frage kommt, weist schon meine jetzige Existenz voraus auf eine Zukunft in der geräumigen Dachgeschosswohnung in Friedrichshain oder Kreuzberg 61, wo ich mir eine schicke Künstlerin oder - werweiß - auch Geisteswissenschaftlerin leisten werde, um mit ihr alsbald auf der Terasse ein sentimentales "Tütchen" schmauchend jetzt endlich mal ernsthaft über Kinder zu reden. Kinder, die mich dann sieben Jahre später in eben jener Wohnung besuchen kommen werden und deren Mutter dann auch gerne mal zum Abendessen bleibt, denn ich werde - wie all die reizenden Freunde und Kollegen bestätigen können - ein hervorragender Koch sein.
Und immer hören wir Bach. Oder Radiohead, was in diesem Fall auf das Gleiche hinausläuft.
Ich würde so gerne mal wieder was fühlen. Irgendwas...
Die Augen
wie den Mund weit aufgerissen
Den weichen Hals
Die süße Kehle im Visier
Drücke ich deinen Kopf in schwere Kissen
Dein Blut zu trinken
Darum bin ich hier
Du schaust mich an
Und lächelst
Sagst, ich sei kein Vampir
Doch woher dann dieser Blutdurst
Mensch zu sein
Sagt mir nicht zu
Menschen sterben
Menschen trauern
Ich will untot sein wie du.
Wie
Du
Du zuckst
Ich zucke gleichsam
Bei Gott, das ist nicht möglich
Nein
Nein, Liebes
Tausendschöner Leichnam
Du kannst unmöglich sterblich sein
Ich will mich deinen Diener nennen
Will rasend, voller Eifer
Blind
In allen Feuern gerne brennen
Solange sie nicht irdisch sind
Sei jede Torheit mir entschuldigt
Geschähe sie im Zauberbann
Der Schatten, denen Torheit huldigt
Wenn du ein Mensch bist wird es weh tun
Irgendwann.
Ach fänd' ich dich
In einer alten Eichentruhe
In einer Grube einst - da gäb's kein Zögern mehr
Ein Pflock ins Herz und dann wär' Ruhe
Die Welt gereinigt
Meine Seele leer.
Der kahlgeschorene Kopf juckt unter der Perücke. Der Klebstoff für den Schnurrbart brennt auf der Oberlippe. Es ist ein dreckiger Job aber irgendjemand muss ihn machen.
Johannes sieht die Kleine durch seine Sonnenbrille an. Ihr Körper zuckt zwischen den Laserstrahlen der Großraumdisko. Um da reinzukommen musste sie sich ganz schön aufbrezeln. Rote Lackstiefel bis zum Knie. Netzstrumpfhosen. Die Farbe des Minirocks kann Johannes im Nebel nicht erkennen. Sicherlich hat sie sich auf zwanzig geschminkt. Aber Johannes weiß, dass sie höchstens fünfzehn ist. Allerhöchstens. Ihr glitzerndes Top lässt den Bauch und die halbe Brust frei. In ihre wirbelnden Haare sind grüne Strähnen geflochten. Die Mädchen werden auch immer jünger. Das ist nicht gut. Überhaupt nicht gut.
Noch ein doppelter Wodka auf Eis, dann geht Johannes an die Arbeit. Es wird einfach sein.
Er nimmt die Sonnenbrille ab und wirft ihr ein paar Blicke zu. Winkt sie zu sich. Natürlich kommt sie. Die kommen immer. Sie setzt sich zu ihm an die Bar. Ihre Freundinnen tuscheln aufgeregt, als er ihr den ersten Cosmopolitan ausgibt. Sie hängt über der Theke und grinst Johannes an. Verträgt nicht viel. Sie ist die richtige. Johannes ist fast sicher. Der Hüter hat eine Nase für so etwas würden die Leute sagen. Die Nacht ist noch jung. Er hat Zeit es zu prüfen. Andere verlassen sich da ganz auf ihren Instinkt. Sie arbeiten schneller und leben mit etwas weniger Dämonen als jene, die so gründlich sind wie Johannes. Aber manchmal machen sie Fehler. Das merken sie danach. Wenn seine Arbeit getan ist, ist der Hüter verpflichtet, nachzuschauen. Und wenn dann etwas schiefgelaufen ist, muss er ein neues Mädchen finden. Das Morgengrauen rückt näher, und weil der Hüter nur diese eine Nacht Zeit hat, wird er unvorsichtig.
Wenn einer erwischt wird, nimmt er sich in der Regel das Leben. Gelingt ihm das nicht, ist er zu ewigem Schweigen verdammt. Doch weitaus schlimmer als die eigene Schmach ist das Elend, das sein Scheitern über die Welt bringen könnte. Deshalb ist Johannes so gründlich.
Zwei Drinks später steht er mit der Kleinen auf dem Parkplatz in der Kälte. Johannes kann fühlen, wie der Nebel zu Boden sinkt und unter seinen Füßen zu dünnem Eis wird. Er muss sie nur ein ganz kleines bisschen drängen, damit sie in seinen silbernen Mercedes steigt. Er küsst sie auf der Rückbank. Dem Kuss eines Hüters in dieser Nacht können nur wenige Frauen widerstehen. Der unangenehme Teil. Johannes zieht ihr das Top aus und küsst den Brustansatz über ihrem cremefarbenen Spitzen-BH. Sie stöhnt. Es klingt nicht echt. Pflichtschuldig. Das ist ein gutes Zeichen. Sie greift Johannes in den Schritt, tastet nach seinem Schwanz, der unter ihren unbeholfenen Bewegungen langsam hart wird. Johannes mag das nicht. Es ekelt ihn an. Und doch weiß er, dass er, wenn er das nächste Mal bei einer sündhaft teuren Nutte ausspannt, an genau diesen Moment zurückdenken wird, um schließlich kommen zu können. Er kneift die Augen zusammen und schiebt seine Hand unter den Minirock. Zieht die Strumpfhose und den Slip nach unten, tastet über ihren Schoß. Sie ist rasiert. Früher wäre das ein schlechtes Zeichen gewesen. Heute bedeutet es gar nichts mehr. Johannes' Finger zerteilen die feuchten Lippen und dringen vorsichtig in sie ein. Er fühlt ihre Haut. Das ist sie. Mit einem einzigen Fausthieb schlägt er die Jungfrau bewusstlos.
Johannes klettert auf den Fahrersitz, und der Wagen rast mit quietschenden Reifen in die Wildnis.
Es gab eine Zeit, da waren Männer wie Johannes hoch angesehen. In einigen Dörfern feierte man ein Fest, wenn sie ihre Pflicht taten, und den reichsten Bürgern war es eine Ehre ihre schönsten Töchter in die Hände eines Hüters zu geben. Heute sind Johannes und die anderen Einzelgänger. Jedes Jahr an einer anderen Stelle, andere Taktik, anderes Aussehen. Sie müssen vorsichtig sein. Wüsste man da draußen über sie bescheid... - Die Welt würde ins Chaos stürzen. Es sind doch schon jetzt viel zu wenige Orte, an denen die Saat noch ausgebracht wird.
Johannes legt den reglosen Körper auf einen Baumstumpf und beugt sich über das Mädchen. Ihr dampfender Atem schimmert im Mondlicht. Sie ist immer noch ohnmächtig. Wird überhaupt nichts spüren. Er zieht ein altes Barbiermesser aus seiner Brusttasche, klappt es auf und zerteilt ihre Kehle sorgsam knapp unterhalb des Kinns. Warmer Dunst steigt aus der Wunde, noch bevor das Blut kommt. Johannes sieht zu, wie es auf den Boden tropft und langsam in die Erde sickert, zündet sich eine Pall Mall an.
Er trägt die Leiche zurück in das Auto und fährt ein Stück durch den Wald bis zur Sackgasse auf den Felsklippen. Er zieht sich um und wirft die alten Kleider mit der Perücke und dem Bart zu dem toten Körper in den Wagen. Er nimmt sein nagelneues Handy in Betrieb um wie jedes Jahr eine einzige SMS zu schreiben. ,,Erfolgreich. J." Er legt das Telefon auf den Fahrersitz, löst die Handbremse, steigt aus und schiebt alles in den Abgrund. Der Zünder im Tank arbeitet präzise, und viele Meter weiter unten erhellt eine grell-orangene Explosion die Nacht.
Es ist ein langer Fußweg bis zur nächsten Stadt.
Morgen wird Johannes erfahren, dass in dieser Nacht fast alle Hüter erfolgreich waren. Es wird ein gutes Jahr.
Er wird sich wie die anderen irgendwo in eine Villa zurückziehen, wo er ein Jahr lang in Saus und Braus leben wird. Er wird die ersten Knospen an den Sträuchern sehen, wenn das Eis schmilzt. Wird die Vögel beim Nestbau beobachten, die Sonne auf der Haut spüren, und sich an seinem Werk erfreuen. Im Bewusstsein, dass die, denen er dient, nichts von ihm ahnen, ihn jagen und am nächsten Baum aufknüpfen würden, wenn sie es könnten. Weil sie vergessen haben, dass nichts Gutes in die Welt kommt ohne große Opfer.
...und plötzlich hör' ich dich schreien:
Wir werden alle zu Stein
Haut und Fleisch werden hart
Die ersten sind schon erstarrt
Wo die Winde das Wasser zu wellen verwehen
Ich hoffe, wir sind Felsen
Weil Steine untergehen.
Guten Morgen, lieber Cabuflé! Vielen Dank für Deine freundlichen Zeilen! Es freut mich sehr, daß Du meine wahllose Freundschaftsanfrage nicht in den falschen Hals gekriegt hast, und noch mehr freut es mich, daß Dir meine Musik gefällt. Meine ganz neuen Sachen findest Du übrigens auch auf www.myownmusic.de. Ich wollte Dich fragen, ob Du etwas dagegen hättest, wenn ich eines oder zwei Deiner Gedichte vertonen würde. Viele Grüße, Hermann alias Gagosian Liga
posted May 10
oh doch freundchen!!! du brauchst the patricks! du kannst ohne the patricks nich existieren! deine leben mach ohne the patricks einfach keinen sinn! obey the patricks! obey the patricks! obey the patricks! the patricks are your masters!!! ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~Schicke ihnen Geld!!!~~ viiiiiieeeeeeeel geeeeeeeld!!!~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~the patricks re your masters!!!
posted May 5
,,Wir alle bewundern den flitterübersäten Akrobaten, der im pudrigen Licht mit klassischer Anmut auf dem Drahtseil balanciert; aber wie viel mehr Kunst gehört dazu, in Vogelscheuchenkleidern auf einem schlaffgespannten Seil den grotesken Betrunkenen zu mimen! Gerade ich sollte das wissen." (Vladimir Nabokov) Vielen Dank für die Freundschaft und musikalische Grüße aus München!
posted Apr 21
TIMEKUT says:
yo schorsch, neuer demotrack online!!! kannsch ja mo neihöre gell....
posted May 16