Bucherverbrennung
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Der Begriff der Bucherverbrennung bezeichnet die 'feierliche' Zerstorung eines Buches oder mehrerer Kopien oder anderen schriftlichen Materials durch Feuer. Die meist offentlich durchgefuhrte Verbrennung wird in der Regel mit moralischen, politischen oder religiosen Einwanden zu begrunden versucht. Sie werden sowohl von einer Regierung angeordnet als auch aus Protest, um Aufmerksamkeit auf totalitare Massnahmen zu erwirken.
Nicht nur Bucher werden so vernichtet, man entledigt sich durch Feuer auch anderer missliebiger Medien wie Tonbander, CDs und Videobander.
Der utopische Roman Ray Bradburys Fahrenheit 451 beschreibt warnend eine Gesellschaft, die die Bucherverbrennung institutionalisiert hat.
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Bucherverbrennungen in der Geschichte
- Der chinesische Kaiser Qin Shi Huang Di griff im Zuge der Reichseinigung zu rigorosen Massnahmen. So wird auch die Vielfalt widerstreitender philosophischer Schulen abgeschafft und verboten. Lediglich die staatstragende Philosophie wird gebilligt. 213 v. Chr. wurden die Bucher aller anderen Schulen verbrannt.
- Die Bibel schildert eine Bucherverbrennung, mit der bestimmte Kirchen und Christengruppen bis zur Gegenwart ihr gewaltsames Vorgehen gegen abweichende Meinungsdarstellungen verglichen und begrundet haben: 'Viele aber, die Zauberei getrieben hatten, brachten ihre [Zauber-]Bucher zusammen und verbrannten sie offentlich und berechneten, was sie wert waren und kamen auf funfzigtausend Silbergroschen'. (Apostelgeschichte 19,19 ) Die spektakulare Aktion zeichnete sich offenkundig durch eine gewisse Freiwilligkeit aus, was bei spateren kirchlichen Bucherverbrennungen meist nicht mehr der Fall war.
- 325 wurden die Bucher des Arius und seiner Schuler nach dem I. Konzil von Nicaa als haretisch verbrannt.
- 475 wurde die Bucher des Nestorius nach einem Edikt Theodosius II. als haretisch verbrannt.
- 1497 verzehrten die Flammen des von Girolamo Savonarola gepredigten 'Freudenfeuers der Eitelkeiten' pornographische Schriften, obszone Bilder, heidnische Bucher, Glucksspiele, Kosmetik, Kopien von Boccaccios Decamerone und alle Werke des Ovid, die in Florenz gefunden werden konnten.
- Am 10. Dezember 1520 liess Martin Luther die kanonischen Rechtsbucher und die papstliche Bannandrohungsbulle 'Exsurge Domine' am Elstertor in Wittenberg verbrennen.
- Am 10. Marz 1521 erlasst Karl V. das Mandat zur Verbrennung der Schriften Martin Luthers.
- Auf dem Wartburgfest am 19. Oktober 1817 fand eine Bucherverbrennung in Anwesenheit von 600 Burschenschaftern statt. Die Bucherverbrennung war allerdings von den Veranstaltern nicht geplant worden, sondern war eine private Aktion einer Gruppe von besonders Radikalen. Anlasslich des 200. Reformationsjubilaums in Berufung auf Luthers Verbrennung der Bannandrohungsbulle sowie des vierjahrigen Siegestages uber Napoleon werden symbolisch mehrere Dutzend als reaktionar, antinational und undeutsch eingestufter Bucher, darunter Werke des August von Kotzebue, Karl Leberecht Immermann, die 'Germanomanie' des judischen Schriftstellers Saul Ascher, sowie den Code Napoleon den Flammen ubergeben. Es handelte sich nicht um die echten Bucher, sondern um mit den Titeln beschriftete Makulaturbundel. Heinrich Heine kommentierte die Aktion mit dem unten angefuhrten Zitat. (Liste)
- In der Zeit des Nationalsozialismus, vom 10. Mai bis 21. Juni 1933 wurden an vielen Orten in Deutschland offentlich Bucher verbrannt: Mit Duldung der Behorden, von der Polizei und Feuerwehr sogar begleitet und betreut, verbrannten nationalsozialistische Studenten, SA, SS und ihre Anhanger auf dem Opernplatz in Berlin und vielen anderen deutschen Universitatsstadten rund 20.000 Bucher als 'undeutsch' geltender Autoren wie Karl Marx, Heinrich Heine, Erich Kastner oder Sigmund Freud (siehe: Liste der verbrannten Bucher 1933). Diese Aktion erfolgte in Berufung auf die Bucherverbrennung wahrend des Wartburgfestes.
- Organisiert wurde die Aktion durch den NSDStB und die Deutsche Studentenschaft, dem Dachverband aller Allgemeine Studentenausschusse (ASTA). Beiden Verbanden war klar, dass im kunftigen nationalsozialistischen Staat nur einer von ihnen uberleben wurde, und so bemuhten sich beide, in einer spektakularen Aktion, ihre Daseinsberechtigung unter Beweis zu stellen. Zwischen beiden Organisationen gab es im Vorfeld einen Wettlauf im Vorauseilenden gehorsam. An den Bucherverbrennungen selbst waren aber nicht nur organisierte Nationalsozialisten beteiligt, sondern auch andere Studenten, insbesondere auch Verbindungsstudenten, die teilweise im 'vollen Wichs' teilnahmen
- Zu den lebenden und spater auch verfolgten Autoren gehorten u.a. Walter Benjamin, Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Leonhard Frank, Erich Kastner (der unerkannt in der Menschenmenge zusieht), Alfred Kerr, Heinrich Mann, Thomas Mann, Robert Musil, Carl von Ossietzky, Erich Maria Remarque, Joseph Roth, Nelly Sachs, Ernst Toller, Kurt Tucholsky, Franz Werfel.
- Nachtraglich forderte Oskar Maria Graf die Verbrennung seiner Bucher, da zu seinem Entsetzen sein Werk nicht verboten, sondern von den Nazis empfohlen wurde. Seinen Aufruf 'Verbrennt mich! (http://www.lettern.de/spbrenn1.htm)' veroffentlichte er 1933 in der 'Wiener Arbeiterzeitung'. 1934 wurden schliesslich auch seine Bucher verboten.
- siehe: Liste der verbrannten Bucher 1933 und Liste verbotener Bucher.
- Viele Schriftsteller und andere Kunstler und auch Wissenschaftler erhielten in der Folge Arbeitsverbot oder entziehen sich weiteren Verfolgungen durch Emigration.
- 1936 Griechenland. Im August lasst Diktator Ioannis Metaxas den Gedichtzyklus Epitaphios von Giannis Ritsos offentlich verbrennen.
- Der 1988 erschienene Roman Die satanischen Verse von Salman Rushdie wurde von Muslimen als gotteslasterlich verbrannt.
- Wahrend eines book burning Gottesdienstes der amerikanischen christlichen Harvest Assembly of God im Marz 2001 wurden Schallplatten u. a. von Foreigner, AC/DC, Bruce Springsteen, Einkaufsbeutel voll Bucher, Videos, etwa von Harry Potter - Kinderbuchern oder Disney Videos wie Pinocchio und Herkules den Flammen uberliefert.
- Anfang 2001 kam es in Indonesien zu einer Reihe von 'Sweepings' ('Fegefeuer') genannten Verbrennungen von als links geltender Literatur, Mangas(japanischen Comics), Popmusik-CDs, aber auch von Khalil Gibrans Gedichtband Der Prophet. Sie entsprangen studentischem Protest gegen sinkendes Ausbildungsniveau, wie auch fundamentalistischem, westliche Vorstellungen negierenden Moralismus.
Bucherverbrennungen in der Gegenwart
thumb|Seit der Verfolgung von Falun Gong 1999 kommt es in China praktisch taglich zu Bucherverbrennungen. thumb
- Seit der Machtubernahme der Kommunistischen Partei in der Volksrepublik China stehen offentliche Vernichtung von 'anti-kommunistischen' Buchern und Medien (also samtliche Publikationen die nicht von den Partei-eigenen Verlagshausern herausgegeben wurden) an der Tagesordnung.
- Dazu gehoren vor allem Bucher und digitale Medien von verfolgten Gruppen wie Christen, Muslimen, Tibetern, Qi Gong-Schulen, Gewerkschaften, Demokraten, Menschenrechtlern etc.
Bei Verhaftungen von Christen werden in der Regel alle gefundenen Bibeln beschlagnahmt und vernichtet.
Vor allem seit Beginn der Verfolgung von Falun Gong wurden in ganz China grossangelegte Hausdurchsuchungen durchgefuhrt, und Millionen von Buchern beschlagnahmt und offentlich verbrannt.
[1] (http://clearwisdom.net/eng/info_pak/book1e/p205.html)
Siehe auch: Autodafe, Index librorum prohibitorum, Zensur, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit
Zitate
,,Dort, wo man Bucher verbrennt, verbrennt man am Ende gar auch Menschen." (Heinrich Heine)
Literatur
- Ulrich Walberer (HG): Zehnter Mai 1933. Bucherverbrennung in Deutschland und die Folgen. Frankfurt 1983, ISBN 3596242452
- Hermann Rafetseder: Bucherverbrennungen. Wien 1988, ISBN 3205088581
- Jurgen Serke: Die verbrannten Dichter. Weinheim 2002, ISBN 3407808992
- Theodor Verweyen: Bucherverbrennungen. Heidelberg 2000, ISBN 3825310825
- Werner Tress: 'Wider den undeutschen Geist!' Bucherverbrennung 1933. Berlin 2003, ISBN 3932529553
Weblinks
- Eintrag BucherVernichten (http://www.wikiservice.at/buecher/wiki.cgi?BucherVernichten) im BucherWiki
- ZEIT-Dokumentation Ansprache Hans Naumann vom 10. Mai 1933 auf dem Marktplatz in Bonn (http://www.zeit.de/2003/20/A-Buchverbrennungg)
- http://www.shoa.de/buecherverbrennungen.html
- http://buecherverbrennung.de
- http://www.lettern.de/spbrennt.htm
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